Nach den Ergebnissen des Bundes-Gesundheitssurveys (2004) erkranken über 16 Millionen erwachsene Menschen zwischen 18 und 65 Jahren pro Jahr an einer psychischen Störung. Diese Zahlen entsprechen vergleichbaren internationalen Studien. Psychische Störungen sind alltäglicher als allgemein wahrgenommen.

Zwar hat sich die Qualität der psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich verbessert. Dennoch bleibt den PatientInnen, die sich - sei es auf Anraten der HausärztInnen oder aus Eigeninitiative - zu einer Psychotherapie entschlossen haben, eine erste Enttäuschung häufig nicht erspart. So sind die niedergelassenen PsychotherapeutInnen zumeist nicht dazu in der Lage, den schnellen Beginn einer Psychotherapie zu versprechen. Wesentliche Gründe dafür sind die strengen gesetzlichen Vorgaben in der krankenkassenfinanzierten Psychotherapie. So gibt es - gemessen an der Nachfrage - nach wie vor Zuwenig PsychotherapeutInnen:

Jeder dritte Erwachsene erkrankt im Laufe eines Jahres an einer psychischen Störung. Auch fast jedes fünfte Kind ist davon betroffen. Klärt man diese Personen über ihre Erkrankung auf und macht ihnen ein Angebot zur psychotherapeutischen Behandlung, nimmt jeder Dritte dies war. Daraus errechnet sich ein Bedarf von jährlich über fünf Millionen PatientInnen, denen aber nur etwa 700.000 ambulante und stationäre Behandlungsplätze gegenüberstehen.
Im ambulanten Bereich werden die Behandlungen von rund 18.500 PsychotherapeutInnen durchgeführt. Davon sind rund 12.000 Psychologische PsychotherapeutInnen. Außerdem sind rund 2.500 Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen in der ambulanten Versorgung von minderjährigen PatientInnen tätig. Hinzu kommen etwa 3.500 niedergelassene KassenärztInnen, die ausschließlich psychotherapeutisch tätig sind. Zu ihnen gehören FachärztInnen für psychotherapeutische Medizin (2.800) und FachärztInnen für Psychiatrie und Psychotherapie (700). Außerdem erbringen noch weitere 6.500 niedergelassene FachärztInnen (wie z.B. FachärztInnen für Nervenheilkunde) psychotherapeutische Leistungen.

So warten erwachsene PatientInnen durchschnittlich knapp zwei Monate, bis sie mit niedergelassenen Psychotherapeutinnen über ihre psychische Erkrankung sprechen können (diagnostisches Erstgespräch). Die Behandlung beginnt durchschnittlich erst nach fast fünf Monaten. Im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie ist mit noch längeren Wartezeiten zu rechnen.

Auch dürfen PsychotherapeutInnen nur eine begrenzte Anzahl von PatientInnen pro Woche betreuen. Hinzu kommt die Dauer jeder einzelnen psychotherapeutischen Behandlung, die stark von der Schwere der psychischen Störungen und dem angewandten Psychotherapieverfahren abhängt und zwischen 25 Stunden bei einer verhaltenstherapeutischen Kurzzeittherapie und bis zu 300 Stunden bei einer psychoanalytischen Langzeittherapie beträgt.

(Quelle: Bundespsychotherapeutenkammer, 2009)